Aktionen des Förderverein Torfbacken e.V. im Jahre 2015

Torfbacken 2015 im Süderholmer Moor

Ein Bericht von Mars Dieter Timm

Bei Beginn des zweiten Verses aus dem plattdeutschen Gedicht „Dat Moor“ von Klaus Groth herrschte eine feierliche Ruhe über dem Torfmoor am Klaus-Groth-Wanderweg im

Süderholmer  Moor. Nur das Zwitschern der im nahen Erlenbruch heimischen Vögel bereicherte die Stille auf angenehme Weise.

Zahlreiche Besucher/Innen konnte der Vorsitzende auf dem Torfbackgrundstück bei fast windstillem sonnigen Wetter begrüßen.

In einem kurzweiligen Vortrag erfuhren die Besucher Wissenswertes über die Vereinsgeschichte und seinen Zweck, nämlich das Erinnern an die ehemalige kleinbäuerliche

Brennstoffherstellung aus Torf für den Hausbrand, zum Befeuern des Herdes in der Küche, um das Essen zuzubereiten.

Dazu sammelt der Verein die ehemals eingesetzten Gerätschaften zum Torfabbau. Auch wenn die Geräte noch so desolat sind, werden sie als Spende gerne genommen, um

sie in Zusammenarbeit mit der Bauinnung Dithmarschen in Lehrlingsprojekten wieder zu reparieren oder gar nachzubauen.

Diese auf- oder nachgebauten Torfabbaugeräte werden dann bei Torfbackveranstaltungen, wie heute hier, so der Vorsitzende, oder anlässlich Bauernmärkte usw. gezeigt.

Auch die heute aufgestellte Windmühle, die eine Torfstichentwässerungsschnecke  antreibt, die sich  wegen zu wenig Wind leider nicht drehte, schade. Dafür konnten die

Kinder mit der uralten handbetriebenen Entwässerungsschnecke das Wasser aus dem Torfstich herausdrehen, auch ein echter Hingucker!

Das zentrale Gerät für diesen Tag  war die bis zu 5 mtr. in die Tiefe reichende Torfketschermaschine. Die von  Peter Behrends bedient wurde. Nachdem Peter B. die Grasnarbe

entfernt hatte, stellte er den geöffneten Förderschacht über die Torfbank und ließ den Förderschacht abwärts in die Torfschicht fahren. Nun wurde die im Förderschacht

stehende Torfsäule mit verschließen des Förderschachtes von der Torfbank abgeschnitten. Peter B. kurbelte nun den gefüllten Förderschacht aufwärts aus dem Wasser

heraus. Gleichzeitig  schaufelte Horst Sattler oder Werner Thießen Schaufel um Schaufel den Torf aus dem Förderschacht in die bereitstehende Backkarre hinein, abschließend

goss man drei Eimer Moorwasser hinzu und das Pferd Hoppe zog nun die Backkarre über die Wiese.  Dabei wurde der Torf mit dem Wasser in der Karre durch ein von den

beiden Rädern angetriebenes Rührwerk zu einem gleichmäßigen Torfbrei verrührt. Dann wurde die Backkarre  von Karl Heinz Frank rückwärts über eine ausgelegte Form

gefahren und der Torfbrei darüber ausgegossen. Die Backkarre fuhr wieder zur Ketschermaschine, um eine neue Fuhre zu holen.

Otto Rolfs  und Hubert Zydek verstrichen nun den Torfbrei in die 72 Fächer der Backform fest ein und legten dann die hölzerne Backform um für eine neue Mischung.

Dieser Vorgang wiederholte sich von morgens bis abends und das über Wochen, bis das ganze Moor sich von einem grünen Wiesengrund in ein weites schwarzes

Torfsodenfeld  geändert hat.

Eine Torfbackmannschaft aus drei Arbeitern, einer an der Ketschermaschine, der zweite  zum Torfschaufeln und  an der Backkarre und der dritte an der Form, haben an einem

Tage bis zu 10.000 Soden gebacken. Die wurden nun eine Woche im Sonnenschein angetrocknet um dann jeden Tag von der Bäuerin und den Kindern gewendet zu  werden;

nach einer weiteren Woche wurden sie geringelt, d.h. zwei Soden parallel auf der Wiese und einen Soden quer darüber gelegt. Jeden Tag aufs Neue! Nach einer weiteren

Woche wurden die Soden aufgesetzt  geringelt, d.h. zwei Soden auf der Wiese, quer darüber zwei Soden, nochmals quer dazu zwei weitere Soden usw., bis zu fünf Schichten,

damit nun die Sonne und auch der warme Wind durch die aufgeschichteten Soden streichen konnte,  um sie weiter zu Trocken. Nun ging es ca. jeden zweiten Tag ins Moor

zum Ringeln. Bei gutem Wetter dauerte der gesamte Trocknungsvorgang ca. fünf Wochen, dann wurden die Soden je zu  eintausend Soden, zu einem sogenannten Klot,

aufgestapelt;  so nannte man damals eine Verkaufseinheit, die 1953 rd. 23 Mark einbrachte. Ein Haushalt verbrauchte übers Jahr bis zu 15.000 Soden zum Befeuern der

damals einstiegen Feuerstelle im Hause und das war der Herd in der Küche zum Essenkochen.

 

Anfang  1960 wurde das Torfbacken eingestellt, damals aus wirtschaftlichen Gründen, denn die Kohle war günstiger. In den 1970er Jahren wurden dann die Moore unter

Schutz gestellt.

An unserem Torfbacktag im Moor wurden so rd. 700 Soden gebacken, die nun auf die beschriebene Weise in den nächsten Wochen getrocknet werden.

Auf dem Moorgrundstück war auch die reparierte Torfpresse und der Lanz Bulldog als Antriebsmaschine ausgestellt. Über diverse große Schautafeln konnte man sich über

Moore und deren Verschiedenen Torfsorten und die verschiedenen Torfgewinnungsmethoden informieren. Dazu waren uralte noch gut erhaltene Torfabbauspaten usw.

ausgestellt.

Auch erdgeschichtliche Proben vom Hochmoortorf bis hin zur Edelsteinkohle mit Erklärungen hatte der Verein zum Anfassen, Riechen und Lesen zusammengestellt.

Zur Erfrischung der Gäste wurden gekühlte Getränke und Kaffee und  Torten gereicht.

An dieser Stelle allen Spendern von Kaffee und Torten ein herzliches Dankeschön.

Es war ein schöner Tag im Moor.


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