Interesse?
Der Förderverein Torfbacken kommt auch gerne an Ihre Schule.
Kontakt:
Förderverein Torfbacken e.V.
1.Vorsitzende
Mars Dieter Timm
Süderholmer Straße 93,
25746 Heide / Süderholm

Ausstellung in Trappenkamp - Bild 6

Ausstellung in Trappenkamp - Bild 7

Führt durch die lebendige Ausstellung: Der 1.Vorsitzende des Fördervereins Mars Dieter Timm

Ausstellung in Trappenkamp - Bild 8

Brachte die Bilder zum Sprechen: Jens Kardel vom Förderverein Torfbacken

Der Förderverein Torfbacken "macht Schule", diesesmal in der Dr.-Gerlich-Schule in Trappenkamp

„Dat wer scheun!“, rundum to freden weern de dre Torfbackers as se op’n Trüchweg no Heid wern.

Leider konnten nicht alle Schulkinder der vier Grund- und Förderschulklassen in der Dr. Gerlich-Schule in Trappenkamp plattdeutsch verstehen und so mussten die drei Torfbacker aus Heide/Süderholm in Dithmarschen ihre Vorträge auf hochdeutsch halten.

Aber nun der Reihe nach:

Anlässlich der Ausstellung des Fördervereins Torfbacken e. V. auf dem Regional- und Bauernmarkt in der Kieler Altstadt wollte es der Zufall, dass die Grundschullehrerin, Frau Heike Vertens, von der Dr. Gerlich-Schule in Trappenkamp den plattdeutschen Vortrag des Fördervereinsvorsitzenden Mars Dieter Timm und der praktischen Torfbackvorführung aus der Matschkiste mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Ulli Wiedemann zuhörte bzw. zusah, sprach die beiden an und so wurde daraus ein unterrichtsbegleitendes Projekt.

Am Donnerstag, den 30.Oktober 2008, gegen 16.30Uhr, wurde die Ausstellung in Süderholm verladen. Es halfen Ulli Wiedemann, Jens Kardel und Mars Dieter Timm, der seinen Pkw mit Anhänger zur Verfügung stellte. Am nächsten Tag gegen 7.15Uhr war Abfahrt in Richtung Trappenkamp, wo wir gegen 8.45Uhr vorfuhren.

Dort begrüßten uns die beiden Lehrerinnen, die Frauen Heike Vertens und Uta Studer. Ebenso herzlich begrüßte uns der Schulleiter, Herr von Seht.

Ausstellung in Trappenkamp - Bild 1

Jens baute seine PowerPoint-Gerätschaften auf, wie Laptop, Beamer und Leinwand, die uns freundlicherweise von der Kreishandwerkerschaft Dithmarschen zur Verfügung gestellt wurden, in einer Klasse auf. Ulli und Mars Dieter bauten die praktische Ausstellung auf einem großen Flur im Schulgebäude auf.

Aufbau der Ausstellung: Im Flur / Pausenraum der Schule sind schon Stellwände und Schautafeln, sowie einige Exponate wie Schubkarren, Sodenformen und Ketscher ausgestellt. Was auf dem Bild oben noch fehlt ist die Matschkiste, das "Herzstück einer jeden Vorführung".

Ausstellung in Trappenkamp - Bild 2

Mars Dieter hatte zuvor fünf Eimer frischen Torf in die Torfmischkiste geschüttet, hatte dann einen halben Eimer darüber gegossen, zog seine Gummistiefel an und stieg in die Torfmatschkiste und vermischte nun den Torf und das Wasser zu einem Torfbrei. Ulli ermunterte nun die Schulkinder zum Torfbacken. Dieser Aufforderung kamen die Schülerinnen und Schüler gerne nach. Mit großer Begeisterung wurden sie von Ulli angeleitet und haben den fertig gemischten Torfbrei wie vor 70 Jahren verarbeitet.

Ausstellung in Trappenkamp - Bild 3

Erstaunt waren die Schulkinder, dass die mitgebrachten Torfstücke nicht nach Moder oder Abfall rochen, wie es der Fall ist, wenn sie ihre Nase in die Bioabfalltonne halten.

Mars Dieter hatte sowohl Hochmoortorfstücke als auch Schwarztorfstücke aus dem Süderholmer Niedermoor zum Riechen und Anfassen mitgebracht.

Ein besonderer Torf hatte sich auf dem Marschboden, also über dem Grundwasserspiegel bei Neuenkirchen in Dithmarschen im „Weißen Moor“ gebildet. Mars Dieter führte weiter aus, dass sich dort vor langer Zeit auf dem Marschboden ein kleines Wäldchen mit Büschen, Sträuchern und anderen Pflanzen angesiedelt hatte und diese abgestorben seien. Über diese abgestorbenen Pflanzen haben sich Torfmoose angesiedelt und sichausgebreitet, bis alles mit einer dicken Torfmoosschicht überwachsen war. Diese Torfmoose haben eine besondere Eigenschaft. Sie lassen das Regenwasser zwar hindurch, aber halten es dann fest - das Wasser verdunstet nicht mehr. Diese regenwasserfeuchte Moosteppichschicht verhindert, dass die Luft (also der Sauerstoff) an die abgestorbenen Pflanzen gelangen kann.

kein Sauerstoff = keine Verwesung

Der nun einsetzende biochemische Zersetzungsvorgang heißt „vertorfen“.

Der Vertorfungsvorgang im „Weißen Moor“ erstreckte sich erdgeschichtlich über eine sehr kurze Zeitspanne von rd. 1.500 Jahren. Dann begann der Mensch den hellbraunen (weißen) Torf mit großen Torfschneidemessern und Torfstechschaufeln abzubauen, zu Trocknen und als Brennmaterial für den Küchenherd zum Essenkochen zu verwenden.

Ein etwas dunkleres Hochmoortorfstück ging dann bei den Schulkindern von Hand zu Hand, oder von Nase zu Nase. Dieses Stück war auf dem Geestboden bei Schalkholz in Dithmarschen gewachsen und von Torfbauern gestochen oder abgegraben worden. Das Torfstück ist ca. 2.500 Jahre alt.

Bei den beiden Hochmoortorfstücken konnte man noch recht gut die alten Grashalme und Reste von Sträuchern erkennen. Die Vertorfung ist hier noch nicht abgeschlossen.

Diese Hochmoortorfstücke waren sehr locker und leicht im Gewicht und hatten deshalb nur einen sehr niedrigen Brennwert. Das Torffeuer brannte im Ofen schnell herunter. Um das Feuer ständig in Gang zu halten, musste die Hausfrau ständig Torfstücke nachlegen.

Ein sehr gutes Brennmaterial lieferte der „Schwarze Torf“ aus dem Niedermoor bei Süderholm. Wenn man abends vor dem Einschlafen noch einige Schwarztorfsoden auf die Glut legte, so konnte man am nächsten Morgen das Herdfeuer mit neuen Torfstücken wieder richtig in Gang bringen. Die Schwarztorfsoden verbrannten nicht sofort, sie glösten stundenlang vor sich hin und lieferten damit über einen längeren Zeitraum genügend Hitze, um das Essen zubereiten zu können.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass der Torf nicht zum Heizen, sondern als Brennmaterial für die einzige Feuerstelle im Hause, nämlich dem Herd in der Küche, verwendet wurde. Torf als Brennmaterial diente zum Kochen. Sollten die anderen neben der Küche liegenden Räume beheizt werden, so wurden einfach deren Türen geöffnet.

Wie war nun dieser gute „schwarze“ Niedermoortorf bei Süderholm entstanden?

Vor langer, langer Zeit, so erzählte Mars Dieter, war das heutige Süderholmer Moor ein ca. 17 Meter tiefes Tal mit einem urwüchsigen dichten Wald. Irgendwann senkte sich die Nordseeküste und das Meerwasser drang ins Landesinnere ein und überflutete weite

Landesteile. Gleichzeitig stieg der Grundwasserspiegel an. Dieser Vorgang dauerte bis vor ca. 4.000 Jahre an.

Das bewaldete Tal bei Süderholm wurde auch überflutet, die Pflanzen gerieten unter Wasser und starben ab. Das Wasser verhinderte, dass keine Luft (Sauerstoff) an die abgestorbenen Pflanzen gelangen konnte - die Vertorfung setzte ein. Gleichzeitig wuchs der nun entstandene Süderholmer See auch vom Ufer her langsam zu. Die im Uferbereich immer wieder nachwachsenden Pflanzen starben im Herbst ab, sanken zum Grunde des Sees und bildeten so die Grundlage für die Vertorfung. So bildete sich über Jahrtausende unter dem Wasserspiegel eine ständig nach oben wachsende Torfschicht. Dadurch nahm die Wassertiefe ständig ab, bis der See vollständig verlandet war. Die Torfschicht wuchs aus dem Grundwasserspiegel heraus, es siedelten sich nun auch allerlei Gräser an, die dafür sorgten, dass das Moor trittfest wurde und man nicht mehr einsackte.

Die Torfschicht im Süderholmer Moor ist bis zu 17 m dick.

An der Stelle, wo der Torsbackverein den Torf entnehmen darf, ist die Torfschicht ca. 7 m dick, mit der Keschermaschine wird der Torf aus einer Tiefe bis ca. 5 - 6 m herausgeholt, in diesem Bereich ist der Torf ca. 7 - 8.000 Jahre alt, je tiefer der Torf liegt, je älter ist der Torf, je weiter ist die Vertorfung fortgeschritten.

Ab diesem Zeitpunkt nutzten die Bauern das Moor als Weideland und begannen, den guten „schwarzen“ Niedermoortorf abzubauen.

Zunächst wurde der Torf „rutschmeeten“, das heißt, mit dem Torfspaten aus der Torfbank abgestochen, abgegraben, auf die Kante geworfen und von dort zum Trocknen mit dem Pferd und Schleppbrett weggebracht.

Der Torf konnte nur bis zum Grundwasserspiegel mit dieser Torfgewinnungsmethode abgebaut werden.

Mars Dieter demonstrierte nun mit einem originalen alten Handkescher aus den 20er Jahren, wie früher der Torfbauer den Torf aus der Moorkuhle herausgefischt hat. An einem ca. 4 Meter langen Holzstaken war am unteren Ende ein 5 cm hohes Rundmesser mit einem Durchmesser von ca. 40 cm im fast rechten Winkel angeschraubt. Unter dem Rundmesser war ein grobmaschiges Netz angebunden.

Der Torfbauer stellte sich nun an die Uferkante, führte den Handkescher soweit er langen konnte unter Wasser und riss mit dem Rundmesser von der Torfbank einen Torfklumpen ab, der ins Netz fiel. Der Torf wurde nun aus der Moorkuhle herausgehoben und in die Torfmatsch- oder Torfmischkiste geschüttet. Dieser Vorgang wiederholte sich über den ganzen Tag - wochenlang.

Die Torfklumpen in der Torfmatschkiste wurden von der Bäuerin mit Moorwasser übergossen und dann zu einem Torfbrei vermischt - entweder barfuß oder mit einer speziellen Harke.

Nach dem Vortrag von Mars Dieter Timm und dem praktischen Torfbacken mit Ulli Wiedemann aus der Matschkiste sahen sich die Schulkinder mit ihren Lehrerinnen, die mitgebrachten Schautafeln an und durften sich als Andenken einen fertigen Schwarztorfziegel mitnehmen. Der Vorsitzende, Mars Dieter Timm, wies abschließend noch darauf hin, dass der Förderverein Torfbacken e. V. viele Geräte rund um das Torfbacken gesammelt hat und noch sammelt und diese auch restauriert. Unterstütz wird der Torfbackverein von der Kreishandwerkerschaft Dithmarschen, in ihren Lehrwerkstätten werden die Sammelstücke von den Lehrlingen unter Anleitung der Lehrwerkmeister repariert oder nachgebaut und somit wieder voll funktionsfähig hergestellt.

Der Torfbackverein führt alle zwei Jahre Torfbackaktionen im Süderholmer Moor - wie zu Großvaters Zeiten - durch.

Das nächste Torfbacken findet am 1. August 2009 statt.

Ausstellung in Trappenkamp - Bild 4

Jens hatte keine Mühe, die Aufmerksamkeit der Schulkinder zu wecken. Die auf die große Leinwand projizierten bunten Bilder veranschaulichten die Entstehung eines Moores mit seiner Pflanzen und Tierwelt und die Torfgewinnung zur Brennstoffherstellung. Jens verstand es, jeweils die auf den Fotos festgehaltenen Augenblicke und Situationen durch humorvolle Kommentare verständlich herüber zu bringen. Die Schulkinder waren begeistert bei der Sache und viele Fragen rund um das Moor und Torf wurden von Jens ausgiebig erklärt.

Ausstellung in Trappenkamp - Bild 5

Auch bei dem zweiten Bildervortrag herrschte ein großes Interesse und es wurde von den Schülerinnen und Schülern viel nachgefragt. Die gezeigten Bilder wurde von vielen Kindern lebhaft kommentiert, so dass am Ende der Schulstunde fast noch etwas Vortrag "übrig war".


Es war ein schöner Tag in Trappenkamp! Für die Schulkinder war es eine willkommene Abwechselung zum theoretischen Unterrichtsteil und für die Lehrerinnen und dem Schulleiter war es eine überaus sinnvolle Ergänzung zum Unterricht.

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